Wesentliche Risikogruppen
Risiken, die zu Abweichungen von der erwarteten Unternehmensentwicklung führen können, zeigt die nachfolgende Übersicht in den zehn wesentlichsten Risikogruppen gemessen an der aggregierten Risikoposition. Die Top-10-Risikogruppen bewegen sich mit ihrer jeweiligen aggregierten Risikoposition in einer Bandbreite zwischen 90 Mio € und 270 Mio €. Die jeweilige Auswirkung der Risikogruppe, basierend auf deren Anteil an der aggregierten Gesamtrisikoposition, wird ebenfalls in der Tabelle dargestellt. Nachfolgend werden diese Risikogruppen sowie die jeweiligen wesentlichen Risiken je Risikogruppe, die wesentliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr sowie die Maßnahmen der Risikobegrenzung im Einzelnen dargestellt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Risikogruppen Recht, Cybersicherheit und Personal nicht mehr in den Top 10 vertreten, während Akquisitionen, Investments und Transformationen, Wirtschafts- und Marktbedingungen sowie Informationstechnologie neu in den Top-10-Risikogruppen zu finden sind.
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Risikogruppen |
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Auswirkung auf die aggregierte Gesamtrisikoposition |
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1 |
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Akquisitionen, Investments und Transformationen |
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Hoch |
2 |
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Wirtschafts- und Marktbedingungen |
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Hoch |
3 |
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Finanzierung im Gesundheitswesen, Innovation und Wettbewerb |
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Moderat |
4 |
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Vertrieb, Kunden und Produktstrategie |
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Moderat |
5 |
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Compliance |
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Moderat |
6 |
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Finanzen |
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Gering |
7 |
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Qualität |
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Gering |
8 |
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Informationstechnologie |
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Gering |
9 |
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Lieferkette |
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Gering |
10 |
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Produktion und Services |
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Gering |
Akquisitionen, Investments und Transformationen
Die fortlaufende Überprüfung und strategische Weiterentwicklung des Konzernportfolios bleibt für den Fresenius-Konzern ein zentraler Bestandteil der unternehmerischen Ausrichtung. Damit verbunden sind kontinuierliche Aktivitäten in den Bereichen Investitionen, Akquisitionen, Desinvestitionen sowie umfangreiche Transformationsprogramme, die jeweils Chancen eröffnen, jedoch auch mit Risiken einhergehen.
Es ergeben sich weiterhin wesentliche Risiken aus den Desinvestitions‑Aktivitäten der zur VIACAMA umfirmierten Vamed. Im Zuge des Verkaufs des internationalen Projektgeschäfts wurden insbesondere Bankgarantien für Erfüllungszusagen aus den veräußerten Projekten bewertet. Darüber hinaus bestehen potenzielle Entschädigungsverpflichtungen im Schadensfall, unter anderem im Rahmen der Veräußerung des österreichischen Projektgeschäfts. Die vertraglichen Risiken aus diesen Transaktionen werden insgesamt als möglich mit niedrigen bis schwerwiegenden Auswirkungen eingestuft. Im Rahmen dieser Aktivitäten erfolgt eine fortlaufende Überwachung der Geschäftsentwicklung unter dem neuen Eigentümer sowie eine kontinuierliche Evaluierung der relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen.
Zusätzlich ergeben sich Risiken aus laufenden Transformationsprojekten innerhalb des Konzerns, insbesondere im Hinblick auf die Harmonisierung und Modernisierung der IT‑Landschaft. Aufgrund der Komplexität und des Umfangs dieser Programme kann es zu Verzögerungen in der Umsetzung kommen, die sowohl höhere Projektkosten als auch Beeinträchtigungen des operativen Geschäfts zur Folge haben könnten. Diese Risiken werden als möglich mit mittleren Auswirkungen auf die Vermögens‑, Finanz‑ und Ertragslage bewertet. Zur Steuerung dieser Programme kommen strukturiertes Projektmanagement und vorausschauende Budgetplanung, der frühzeitige Einbezug relevanter Stakeholder sowie eine transparente Kommunikation über Erwartungen, Abhängigkeiten und realistische Zeithorizonte zum Einsatz.
Insgesamt haben die genannten Risiken zu einer Erhöhung der aggregierten Risikoposition der Risikogruppe beigetragen. Die Risikogruppe ist im Vergleich zum Chancen- und Risikobericht 2024 neu unter den Top 10.
Wirtschafts- und Marktbedingungen
Die anhaltend volatile weltwirtschaftliche und geopolitische Lage beeinflusst auch das Geschäftsumfeld des Fresenius-Konzerns und wirkt sich insbesondere auf die globalen Aktivitäten von Fresenius Kabi aus. Trotz einer grundsätzlich gut aufgestellten Position im US‑Markt ergeben sich mögliche Risiken aus der aktuellen Zollpolitik der US‑Administration. Diese können Auswirkungen auf die Einfuhr pharmazeutischer Erzeugnisse in die USA haben, insbesondere im Hinblick auf aktive pharmazeutische Wirkstoffe sowie generische Arzneimittel. Angesichts der derzeit hohen Unsicherheit rechnet der Konzern vorläufig mit zusätzlichen Zollaufwendungen für Importe aus wesentlichen Produktionsländern, wie unter anderem der Schweiz, Indien und der EU, sowie potenziell höheren Aufwendungen für Produkte aus China.
Ergänzend dazu führen politische Spannungen innerhalb der USA sowie deren Folgen für den globalen Handel zu weiteren Unsicherheiten. Neben der Zollpolitik können auch Regulierungsinitiativen, die auf eine stärkere lokale Produktion abzielen, sowie die Bemühungen zur Begrenzung staatlicher Ausgaben zusätzliche Auswirkungen haben. Letztere könnten insbesondere zu Verzögerungen bei Marktfreigaben neuer Produkte durch die U.S. Food and Drug Administration (FDA) führen. In der Gesamtschau werden diese Entwicklungen als mögliche bis wahrscheinliche Risiken mit mittleren bis wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens‑, Finanz‑ und Ertragslage bewertet.
Auf geopolitischer Ebene bestehen darüber hinaus Risiken, die aus einer potenziellen Ausweitung der Bestrebungen der chinesischen Regierung zur Wiedervereinigung mit Taiwan resultieren könnten. Ein solches Szenario könnte unter anderem zu erheblichen Komplikationen für Produktionsstandorte und Vertriebsaktivitäten führen. Zusätzlich könnte eine Ausweitung des russischen Angriffskrieges über die Ukraine hinaus vergleichbare Auswirkungen auf die Produktions‑ und Vertriebsstrukturen in Europa haben. Diese geopolitischen Risiken werden zwar als unwahrscheinlich, jedoch mit potenziell wesentlichen bis schwerwiegenden Auswirkungen eingestuft.
Der Fresenius-Konzern beobachtet geopolitische Entwicklungen kontinuierlich und setzt bei Bedarf dedizierte Projektgruppen ein, um potenzielle Auswirkungen frühzeitig zu analysieren. Dies umfasst unter anderem die Analyse der Ausgestaltung von Lieferketten, der Auslastung von Produktionskapazitäten sowie der strategischen Ausrichtung der Absatzmärkte.
Insgesamt haben die genannten Entwicklungen zu einer Erhöhung der aggregierten Risikoposition der Risikogruppe beigetragen. Die Risikogruppe ist im Vergleich zum Chancen- und Risikobericht 2024 neu unter den Top 10.
Finanzierung im Gesundheitswesen, Innovation und Wettbewerb
In dem weitgehend reglementierten Geschäftsumfeld des Fresenius-Konzerns können sich Gesetzesänderungen, speziell auch in Bezug auf Kostenerstattungen, einschneidend auf den Geschäftserfolg auswirken. Nationale Gesundheitssysteme sind sehr unterschiedlich finanziert. Besonders Änderungen in den Erstattungssystemen und Preisgestaltungen würden zu erheblichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage führen. Die folgenden Risiken sind ausschlaggebende Bestandteile dieser Risikogruppe.
In den USA und in Europa können vor allem Änderungen im Erstattungssystem, aufgrund des hohen Anteils am Umsatz des Segments Fresenius Kabi, das Geschäft erheblich beeinflussen.
Änderungen der Gesetzgebung, der Erstattungspraxis und der Gesundheitsversorgungsprogramme könnten den Umfang der Erstattungen für Dienstleistungen, den Umfang des Versicherungsschutzes und das Produktgeschäft beeinflussen. Dies wird als mögliches Risiko mit mittleren bis wesentlichen nachteiligen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit eingestuft.
Diesen Risiken begegnet der Fresenius-Konzern mit einer Überwachung möglicher Änderungen an Erstattungssystemen und reagiert dann frühzeitig, um negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.
Darüber hinaus kann die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen oder die Entwicklung überlegener Technologien durch Wettbewerber, Produkte und Dienstleistungen weniger wettbewerbsfähig oder gar überflüssig machen und damit ihren Absatz, die Preise der Produkte und den Umfang der Dienstleistungen nachteilig beeinflussen.
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Fresenius-Konzerns dauerhaft zu gewährleisten und möglichen Wettbewerbs- und Innovationsrisiken entgegenzuwirken, arbeitet der Konzern eng mit Medizinerinnen und Medizinern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Wichtige technologische und pharmazeutische Innovationen sollen durch diese Zusammenarbeit frühzeitig aufgegriffen und weiterentwickelt werden, gegebenenfalls auch durch Anpassung der Unternehmensstrategie. Darüber hinaus wird die Wettbewerbsfähigkeit des Fresenius-Konzerns durch kontinuierliche Analysen von Marktumfeld und gesetzlichen Rahmenbedingungen gesichert. Das Marktgeschehen, insbesondere die Produkte von Wettbewerbern, werden umfassend beobachtet. Das Zusammenspiel der verschiedenen technischen, medizinischen und akademischen Einrichtungen des Konzerns sichert ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit. Risiken in diesem Zusammenhang werden als möglich mit niedrigen bis wesentlichen Auswirkungen eingestuft.
Im Krankenhausmarkt in Deutschland soll das aktuelle System der rein mengenabhängigen Vergütung über Fallpauschalen im Rahmen der Krankenhausstrukturreform in ein gemischtes Vergütungssystem überführt werden. So ist geplant, die Vergütung nach Fallpauschalen auf 40 % zu begrenzen. Durchschnittlich 60 % der Vergütung sollen zukünftig über sogenannte Vorhaltepauschalen (inklusive Pflegebudget) leistungsunabhängig verteilt werden.
Die Höhe der Vorhaltefinanzierung soll an Leistungsgruppen gekoppelt werden, die den einzelnen Krankenhäusern von den Ländern zugewiesen werden und die Einhaltung festgelegter Kriterien voraussetzen. So soll unter anderem sichergestellt werden, dass komplizierte Behandlungen nur noch in Krankenhäusern durchgeführt werden, die eine entsprechende personelle und technische Ausstattung vorhalten. Je nach Leistungsgruppe und damit Relevanz erhalten die Krankenhäuser finanzielle Mittel. Die genauen finanziellen Auswirkungen der Reform auf die Helios-Kliniken lassen sich aktuell nicht quantifizieren, da wesentliche Angaben, vor allem zur geplanten Zuordnung der Leistungsgruppen, noch nicht bekannt sind. Diese Unsicherheit wird als unwahrscheinlich mit einer mittleren Auswirkung bewertet.
Die Anforderungen der Krankenhausstrukturreform bestätigen die bereits seit Jahren bei Helios angestoßenen Initiativen der Cluster- und Schwerpunktbildung. Insbesondere positiv zu betrachten ist der Fokus auf mehr ambulante Versorgung bzw. mehr Flexibilisierung sowie fachliche Spezialisierung.
In China stellen der zunehmende Wettbewerb über die Ausweitung von Tenderverfahren und damit verbunden die Senkung von Arzneimittelpreisen potenzielle Risiken dar. Eine weitere Ausweitung von Tendern auf nationaler Ebene, sogenannte „National Volume-based Procurement“ (NVBP), und von Tendern auf der Ebene von Provinzen, sogenannte „Provincial Volume-based Procurement“ (PVBP), werden als wahrscheinlich eingeschätzt mit jedoch nur noch niedrigen Auswirkungen. Diesen Risiken begegnet Fresenius Kabi mit Initiativen zu Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen in der Vertriebsorganisation und in der Produktion. Darüber hinaus werden die einzelnen Entwicklungen auf Landes- sowie Provinzebene genau beobachtet.
Anpassungen im Produktumfang der Tenderverfahren sowie deren Berücksichtigung in der Finanzplanung tragen dazu bei, dass die aggregierte Risikoposition der Risikogruppe im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist.
Vertrieb, Kunden und Produktstrategie
Langfristig zielt der Fresenius-Konzern darauf ab, seine Position als einer der führenden internationalen Anbieter von Gesundheitsprodukten und ‑dienstleistungen auszubauen. In den vergangenen Jahren wurde das Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette vergrößert und somit die globale Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen erweitert.
Während Fresenius Kabi eine breite Palette an unterschiedlichen Produkten weltweit anbietet, werden viele dieser Produkte vor allem in den USA exklusiv über einen oder wenige Anbieter vertrieben, wodurch eine besondere Abhängigkeit von diesen Abnehmern entsteht. Es besteht somit das Risiko, dass diese Abnehmer ihre Marktstellung ausnutzen, um Anpassungen in der Preisgestaltung zu erzwingen. Dies führt zu möglichen Risiken mit mittleren bis wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fresenius-Konzerns. Um eine starke Abhängigkeit von einzelnen Abnehmern möglichst zu vermeiden, überwacht Fresenius Kabi kontinuierlich seine Kundenstruktur, stellt sich mit dem Produktangebot diversifiziert auf und verhandelt Abnahmeverträge im Voraus und für langfristige Zeiträume.
Für Helios Deutschland ergeben sich aus den komplexen Abrechnungsstrukturen im Zusammenhang mit Patientenbehandlungen mögliche Risiken mit mittlerer Auswirkung hinsichtlich der Erreichung geplanter Absatzmengen und Umsatzerlöse. Abweichungen können sich insbesondere aus zu hohen Fixkostendegressionsabschlägen, aus Veränderungen in den zugrunde liegenden Katalogstrukturen oder aus Effekten im Zusammenhang mit der Abgrenzung zwischen ambulanter und stationärer Vergütung ergeben. Darüber hinaus können auch ein verändertes Patientenverhalten sowie eine zunehmende Wettbewerbsintensität zu Abweichungen gegenüber der Planung führen.
Um möglichen Abweichungen in der Umsatzentwicklung vorzubeugen, überwacht Helios Deutschland fortlaufend die Veränderungen in den abrechnungsrelevanten Vorgaben und prüft deren Auswirkungen auf die Vergütungssystematik. Darüber hinaus optimiert Helios kontinuierlich die Kostenstrukturen, um wirtschaftliche Spielräume zu sichern und Effizienzpotenziale zu heben. Ergänzend dazu wird das Behandlungsangebot regelmäßig überprüft und gezielt weiterentwickelt, um den Bedarf der Patientinnen und Patienten bestmöglich abzudecken und die Wettbewerbsfähigkeit der Kliniken aufrechtzuerhalten.
Um auf dem Gesundheitsmarkt weiterhin profitabel zu bleiben, hat Fresenius Kabi in jüngster Vergangenheit eine Reihe neuer Produkte eingeführt und plant auch weiterhin mit der Markteinführung neuer Angebote. Für solche Produktneueinführungen besteht jedoch weiterhin das Risiko, dass sich der Markteintritt verzögert oder aber, dass Produkte nach Markteinführung nicht in den prognostizierten Absatzmengen vom Markt aufgenommen werden. Solche Markteintrittsverzögerungen und Absatzdefizite neuer Produkte sind möglich und könnten niedrige bis mittlere Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fresenius-Konzerns haben.
Fresenius Kabi entwickelt und produziert für verschiedene Kunden pharmazeutische Produkte, die anschließend unter deren Marken vertrieben werden. Im Zusammenhang mit diesen Auftragsentwicklungs‑ und Auftragsfertigungsverträgen besteht das Risiko, dass sich bei Neu‑ oder Nachverhandlungen ungünstigere Vertragskonditionen ergeben könnten. Dies betrifft sowohl Preis‑ und Mengenvereinbarungen als auch vertragliche Rahmenbedingungen, die im Zeitverlauf durch veränderte Marktgegebenheiten oder Anpassungen in der Regulatorik beeinflusst werden können. Solche Risiken wirken sich mit einer unwahrscheinlichen bis möglichen Eintrittswahrscheinlichkeit niedrig bis mittel auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fresenius-Konzerns aus.
Um diesen Risiken entgegenzuwirken, tritt Fresenius Kabi frühzeitig in Vertragsverhandlungen ein, strebt möglichst langfristige Vereinbarungen an und setzt sich für ausgewogene und wirtschaftlich vorteilhafte Vertragsklauseln ein. Dadurch sollen Planungssicherheit geschaffen und potenzielle negative Auswirkungen auf die zukünftige Erlös‑ und Ergebnisentwicklung begrenzt werden.
Gesamthaft ist die aggregierte Risikoposition der Risikogruppe leicht zurückgegangen.
Compliance
Die Geschäftstätigkeit des Fresenius-Konzerns unterliegt in nahezu allen Ländern umfassenden staatlichen Regulierungen und Kontrollen. Darüber hinaus hat der Konzern weitere allgemein anwendbare Rechtsvorschriften zu beachten, die sich von Land zu Land unterscheiden. So ergeben sich unter anderem aus potenziellen Kartellrechtsverstößen Risiken, die als unwahrscheinlich bis möglich mit niedrigen bis mittleren Auswirkungen für den Fresenius-Konzern eingestuft werden.
Weitere mögliche Risiken mit potenziell schwerwiegenden Auswirkungen werden zudem regelmäßig im Rahmen von Compliance-Untersuchungen betrachtet – so unter anderem auch im Rahmen der Desinvestitionsaktivitäten der in VIACAMA umfirmierten Vamed.
Für den Fresenius-Konzern sind in jedem Unternehmensbereich risikoorientierte Compliance Management Systeme implementiert. Diese Systeme berücksichtigen die Märkte, in denen der jeweilige Unternehmensbereich tätig ist, und sind auf die spezifischen Anforderungen des Unternehmensbereichs zugeschnitten. Mit den Compliance-Programmen werden verbindliche Vorgaben für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass ausreichend Vorsorge getroffen wurde, um die nationalen und internationalen Regeln zu beachten und einzuhalten. Dennoch kann auch bei einem umfassenden Compliance-Programm ein individuelles Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter oder Vertragspartner nicht ausgeschlossen werden, das dem Unternehmen Schaden zufügen könnte. Insgesamt ist die aggregierte Risikoposition der Risikogruppe im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.
Finanzen
Aus der Finanzierung der Geschäftstätigkeit können sich Zinsänderungsrisiken ergeben, die – neben schlechteren Refinanzierungskonditionen – auch die Werthaltigkeit der Vermögenswerte des Fresenius-Konzerns, insbesondere der Firmenwerte, beeinträchtigen können.
Aus der globalen Ausrichtung des Konzerns ergeben sich darüber hinaus vielfältige Fremdwährungsrisiken, welche sich sowohl auf Zahlungsströme als auch auf Bilanzwerte negativ auswirken können. Angesichts des starken US-Geschäfts spielt dabei das Verhältnis zwischen US-Dollar und Euro eine besondere Rolle. Fremdwährungs- und Zinsänderungsrisiken sind möglich bis wahrscheinlich und stellen jeweils eine potenziell niedrige bis mittlere Auswirkung auf die aggregierte Risikoposition für die Risikogruppe dar.
Um diese Risiken zu begrenzen, werden u. a. derivative Finanzinstrumente eingesetzt. Der Fresenius-Konzern beschränkt sich auf marktgängige, außerbörslich gehandelte Instrumente und nutzt sie ausschließlich zur Sicherung von Grundgeschäften, nicht zu Handels- oder Spekulationszwecken.
Zudem sind für den Fresenius Konzern, als global agierendes Unternehmen, Produktionskapazitäten in allen wesentlichen Fremdwährungsräumen verfügbar.
Als börsennotiertes Unternehmen ist der Fresenius-Konzern verpflichtet, regelmäßig (vierteljährlich) Finanzberichte in Übereinstimmung mit den aktuellen IFRS-Vorschriften zu veröffentlichen. Es besteht daher ein Risiko, dass die aktuellen IFRS-Vorschriften nicht eingehalten werden und / oder Berichte aufgrund von Bilanzierungsfehlern keine wahrheitsgetreue und faire Finanzberichterstattung darstellen.
Zusätzlich entstehen Risiken aufgrund von Vorschriften der nichtfinanziellen Berichterstattung. Um die hohen qualitativen Anforderungen an die Finanzberichterstattung weiterhin vollumfänglich zu erfüllen, beobachtet der Konzern Änderungen in der Rechnungslegung sehr genau und stellt durch harmonisierte Bilanzierungsvorgaben weiterhin eine hohe Qualität aller Abschlüsse sicher. Risiken im Zusammenhang mit der Berichterstattung werden unverändert als unwahrscheinlich mit wesentlichen Auswirkungen angesehen.
Im Vergleich zum Vorjahr reduzieren sich Risiken außerplanmäßiger Abschreibungen im Rahmen des strukturierten Ausstiegs aus dem Projektgeschäft der in VIACAMA umfirmierten Vamed, sodass sich insgesamt die aggregierte Risikoposition der Risikogruppe reduziert.
Weitere Informationen zu den Finanzrisiken sind im Konzern-Anhang in Anmerkung 35, Finanzinstrumente, enthalten.
Qualität
Die Qualität von Produkten, Dienstleistungen und Therapien ist Voraussetzung für eine optimale medizinische Versorgung. Zum Wohl der Patientinnen und Patienten und zum Schutz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern legt der Fresenius-Konzern daher an alle Prozessabläufe höchste Qualitäts- und Sicherheitsmaßstäbe an. Dennoch kann es unter Umständen zu Verletzungen von Produktionsvorschriften und Qualitätsdefiziten in der Produktion, z. B. durch ein Verbot kritischer Ausgangsstoffe oder Mängel im Forschungs- und Entwicklungsprozess, kommen.
Die Nichteinhaltung von Anforderungen der Aufsichtsbehörden in den Produktionsstätten oder bei Lieferanten des Fresenius-Konzerns könnte regulatorische Maßnahmen zur Folge haben, unter anderem Warning Letters, Produktrückrufe, Produktionsunterbrechungen, Geldstrafen oder Verzögerungen bei der Zulassung neuer Produkte. Jede dieser Maßnahmen könnte die Reputation des Konzerns schädigen sowie die Fähigkeit beeinträchtigen, Umsatz zu generieren, und Kosten verursachen. Aus diesen Sachverhalten ergeben sich Risiken, die als unwahrscheinlich bis möglich mit potenziell mittleren bis schwerwiegenden Auswirkungen eingeschätzt werden.
Die Einhaltung von Produktspezifikationen und Produktionsvorschriften wird durch weitreichende Qualitätsmanagementsysteme sichergestellt. Diese sind unter anderem gemäß den international anerkannten Qualitätsnormen ISO 9001 sowie ISO 13485 strukturiert und berücksichtigen relevante internationale und nationale Regularien. Der Konzern setzt sie mithilfe von internen Richtlinien wie Qualitätshandbüchern und Verfahrensanweisungen um und überprüft deren Einhaltung regelmäßig durch interne und externe Audits an Produktionsstandorten und in Vertriebsgesellschaften. Dies umfasst alle Anforderungen und Vorschriften von der Leitung und Verwaltung über die Produktherstellung und die klinischen Dienstleistungen bis hin zur Patientenzufriedenheit. Alle Produktionsstätten erfüllen die Anforderungen zu „Good Manufacturing Practice“ ihrer jeweiligen Absatzmärkte. Sie werden von lokalen Gesundheitsbehörden wie beispielsweise der U.S. Food and Drug Administration oder der European Medicines Agency (EMA) und anderen Behörden überprüft. Stellt eine Behörde dabei Mängel fest, ergreift der Fresenius-Konzern umgehend umfassende und geeignete Korrekturmaßnahmen.
Mit dem Frühwarnsystem evaluiert der Konzern qualitätsrelevante Informationen aus verschiedenen Risikofeldern, um frühzeitig Risiken zu identifizieren und Vorsorge- oder risikomitigierende Maßnahmen einzuleiten. Fresenius Kabi nutzt dafür z. B. weltweit verantwortliche Sicherheitsbeauftragte, Datenbanken, in denen Reklamationen und Nebenwirkungen erfasst werden, interne und externe Audits sowie Kennzahlen, die der internen Steuerung und Optimierung der Qualitätsprozesse dienen. Auf diese Weise können Sicherheitsprofile der Produkte weltweit erstellt und bewertet werden.
Als risikominimierende Maßnahme werden z. B. Produktrückrufe in Zusammenarbeit mit der zuständigen Aufsichtsbehörde initiiert; gleichzeitig wird die Ursache für den Rückruf genau analysiert. Gegebenenfalls werden korrigierende Maßnahmen eingeleitet, um die Umstände, die zum Rückruf geführt haben, in Zukunft zu vermeiden.
Weiterhin können niedrige Risiken durch den hochkomplexen Transfer von Technologien entstehen, welche von externen Partnern in die eigene Produktionsumgebung übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird als möglich bewertet.
Die aggregierte Risikoposition für die Risikogruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig entwickelt.
Informationstechnologie
Die zuverlässige Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit relevanter IT‑Systeme ist für den Fresenius‑Konzern von zentraler Bedeutung. Dies betrifft sowohl das Klinikgeschäft und den Produktionsbetrieb als auch nahezu alle unterstützenden Funktionen wie Vertrieb, Lieferkette und administrative Prozesse. Kommt es zu Ausfällen oder Unterbrechungen dieser Systeme, können erhebliche Einschränkungen im operativen Geschäft entstehen.
Mögliche Ursachen für derartige Störungen reichen von technischen Faktoren wie Stromausfällen, System‑ oder Datenfehlern sowie wartungsbedingten Unterbrechungen bis hin zu organisatorischen Faktoren, darunter fehlende technische, finanzielle oder personelle Ressourcen, menschliches Fehlverhalten oder unzureichende Schulungen. Darüber hinaus können äußere Einflüsse wie Feuer, Wasserschäden oder Naturereignisse zu längerfristigen Beeinträchtigungen der IT‑Verfügbarkeit führen.
Für die Krankenhauslandschaft in Deutschland ergibt sich ein zusätzliches strukturelles Risiko aus der notwendigen Aktualisierung und schrittweisen Ablösung verschiedener, in den Kliniken weit verbreiteter Krankenhausinformationssysteme (KIS). Aufgrund des Auslaufens bestehender Systeme oder der Einschränkung langfristiger Herstellerservices besteht das Risiko, dass Helios Deutschland alternative KIS‑Lösungen nicht in allen Einrichtungen rechtzeitig implementieren kann. Dieses potenzielle Risiko wird als möglich mit niedrigen bis mittleren Auswirkungen auf die Vermögens‑, Finanz‑ und Ertragslage bewertet. Projekte zur Einführung geeigneter Ersatzsysteme sowie Gespräche mit den jeweiligen Systemanbietern über Übergangs‑ und Supportregelungen wurden bereits eingeleitet.
Darüber hinaus eröffnen neue Technologien, insbesondere der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz (KI), neben Chancen auch neue Risikopotenziale. Ein missbräuchlicher oder ungeprüfter Einsatz von KI‑Systemen – auch in Produkten oder Dienstleistungen – kann zu erheblichen reputativen oder finanziellen Folgen führen. Zur Steuerung dieser Entwicklungen wurden konzernweit KI‑Governance‑Prozesse, eine formulierte KI‑Strategie sowie eine zentrale Überwachung und Steuerung sämtlicher KI‑Projekte etabliert. Diese Risiken werden als möglich mit niedrigen bis mittleren Auswirkungen eingestuft.
Insgesamt haben die genannten Entwicklungen zu einer Erhöhung der aggregierten Risikoposition der Risikogruppe beigetragen. Die Risikogruppe ist im Vergleich zum Chancen- und Risikobericht 2024 neu unter den Top 10.
Lieferkette
In der Lieferkette entstehen Risiken hauptsächlich aus Preissteigerungen, Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten oder Auftragsfertigern sowie der mangelnden Verfügbarkeit von Rohstoffen und Gütern durch unterbrochene Lieferketten. Vor allem eine Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen kann bei Beendigung des Vertragsverhältnisses eine jeweils mögliche bis wahrscheinliche niedrige bis mittlere Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fresenius-Konzerns auslösen. Dem begegnet der Konzern mit einer entsprechenden breiten Auswahl von Lieferanten, mit langfristigen Rahmenverträgen sowie mit der Bündelung der zu beschaffenden Mengen.
Die aggregierte Risikoposition im Bereich Lieferkette ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen.
Produktion und Services
Risiken, die im Zusammenhang mit der Produktion von lebensnotwendigen Produkten, bei der Serviceerbringung an Patientinnen und Patienten oder im Projektgeschäft entstehen können, haben einen substanziellen Einfluss auf den Fresenius-Konzern.
Dies betrifft vor allem Risiken im direkten Zusammenhang mit der Produktion, wie z. B. potenzielle Produktionsausfälle, Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Produktionskapazitäten oder Einschränkungen bestehender Produktionskapazitäten nach Unterbrechungen. Um die Risiken solcher Ausfälle weitestgehend zu minimieren, arbeitet der Konzern kontinuierlich daran, das Business-Continuity-Management zu verbessern und somit potenzielle Schäden im Rahmen der Produktions- und Wertschöpfungskette zu verringern. Diese Risiken werden mit einer unwahrscheinlichen bis möglichen Eintrittswahrscheinlichkeit und mit einer potenziell mittleren bis schwerwiegenden Auswirkung eingeschätzt.
Darüber hinaus können sich Lieferverzögerungen negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns auswirken. Anhaltende Lieferrückstände und Lieferausfälle bergen neben den direkten finanziellen Risiken, wie z. B. Umsatzeinbußen oder Vertragsstrafen, ein hohes Reputationsrisiko und können zu Nachteilen bei zukünftigen Ausschreibungen führen. Diese Risiken werden als möglich mit einer mittleren Auswirkung bewertet. Um dem Aufkommen von Lieferengpässen entgegenzuwirken, wird bereits in den Aufbau weiterer Produktionskapazitäten investiert. Zusätzlich werden Lieferwege kontinuierlich überwacht, um so rechtzeitig auf etwaige Verzögerungen reagieren zu können.
Im Rahmen der Desinvestitionsaktivitäten der zur VIACAMA umfirmierten Vamed wurde der Verkauf des internationalen Projektgeschäfts planmäßig abgewickelt. Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Aktivitäten entfallen die zuvor bestehenden Projektrisiken aus diesem Geschäftsbereich. Entsprechende Sachverhalte sind für den Fresenius-Konzern nicht mehr relevant. Dies trägt maßgeblich zur rückläufigen Entwicklung der aggregierten Risikoposition für die Risikogruppe bei.