ESRS S-Unternehmensspezifisch Digitale TransformationS-Unternehmensspezifisch
Angabepflicht |
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Bezeichnung mit Referenz |
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SBM-3 |
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MDR-P |
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Konzepte zum Umgang mit wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekten |
MDR-A |
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Maßnahmen und Mittel in Bezug auf wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte |
MDR-T |
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Nachverfolgung der Wirksamkeit von Konzepten und Maßnahmen durch Zielvorgaben |
MDR-M |
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Auswirkungen, Risiken und Chancen [SBM-3] Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse hat Fresenius eine wesentliche Auswirkung und wesentliche Chancen im Zusammenhang mit Digitaler Transformation identifiziert:
Unter-Unterthema |
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Art des IROs |
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Wertschöpfungskette |
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Zeithorizont |
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Beschreibung |
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k.A. |
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Tatsächliche positive Auswirkung |
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Eigenes Geschäft |
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k.A. |
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Verbesserter Zugang dank digitaler Services [#35] |
k.A. |
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Chance |
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Eigenes Geschäft und nachgelagert |
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Mittelfristig |
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Effizienzsteigerung und Kostenvorteile durch digitale Transformation [#36] |
k.A. |
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Chance |
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Eigenes Geschäft |
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Mittelfristig |
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Marktausbau durch digitale Gesundheitsdienstleistungen [#37] |
k.A. |
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Chance |
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Nachgelagert |
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Mittelfristig |
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Verbessertes Kundenerlebnis durch digitale Kommunikation [#38] |
Ansatz [MDR-P] Konzepte zum Umgang mit wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekten
Digitalisierungsstrategien
Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten in Automatisierung, Big Data und künstlicher Intelligenz (KI). Beispielsweise verlagert sich im MedTech-Markt der Fokus zunehmend auf Konnektivität und Integrationsfähigkeit. In der Patientenversorgung wird papierbasierte Dokumentation durch digitale Patientenakten abgelöst und der direkte – digitale – Kanal zum Patienten immer wichtiger. Dieser technische Paradigmenwechsel wird verstärkt durch fortschrittliche Technologien wie KI, Internet der Dinge im Gesundheitswesen (Internet of Medical Things – IoMT) und prognosegetriebene Analytik. Die Kombination aus verbesserter Verfügbarkeit von Echtzeit-Gesundheitsdaten und fortschrittlichen Analysemethoden wird Prognose, Personalisierung, Prävention und Partizipation in der zukünftigen Gesundheitsversorgung maßgeblich prägen.
Deswegen strebt Fresenius an, digitale Prozesse und Anwendungen für die Optimierung der internen Abläufe im gesamten Konzern sowie entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette zu nutzen und setzt entsprechende Digitalisierungsstrategien um.
Fresenius möchte die Digitalisierung im Konzern vorantreiben und zielt auf Wertsteigerung sowie Effizienz in der täglichen Handhabung von Produkten und Dienstleistungen ab. Damit kann auch die Behandlungsqualität verbessert werden. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Patientenversorgung aus, sondern soll auch die Position von Fresenius als attraktiver Arbeitgeber fördern sowie die Gewinnung und Bindung von Fachkräften und deren Zufriedenheit stärken.
So werden wesentliche medizinische Entscheidungen z. B. zunehmend mit digitaler Assistenz unterstützt und dies als Prozess in den klinischen Alltag integriert. So kann Fresenius die medizinischen Behandlungsergebnisse verbessern. Weitere Informationen finden Sie im Themenstandard S4 Verbraucher und Endnutzer, Abschnitt Gesundheit und Sicherheit.
Im Produktionsbereich liegt der Fokus für die Anwendung von digitalen Produkten und Dienstleistungen auf der gesamten Wertschöpfungskette, z. B. in den Bereichen Innovation, Herstellung, Lieferung, Verkauf und Kundensupport. Im Krankenhausbereich liegt der Schwerpunkt auf einer verstärkten Digitalisierung und Automatisierung von bislang manuellen internen Behandlungs- und Verwaltungsprozessen. Übergreifende Themen entlang der vorgelagerten Wertschöpfungskette sind Präventionsangebote und Terminfindung; in der nachgelagerten Wertschöpfungskette zählen dazu das Management von Entlassungen nach einer Behandlung und der Bereich der medizinischen Nachsorge. Mit der Prozesseffizienz durch digitale Lösungen möchte Fresenius einen signifikanten Mehrwert für wesentliche Stakeholder-Gruppen schaffen. Die übergeordnete Zeitersparnis schafft Kapazitäten, die für die Weiterentwicklung des Geschäfts genutzt werden können. Gleichzeitig gilt es, die Sicherheit und Qualität von Produkten und Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette sowie im eigenen operativen Geschäft auf hohem Niveau zu halten und dadurch mehr Menschen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Zudem können Gesundheitsprodukte durch kosteneffizientere Produktionsprozesse zu erschwinglicheren Preisen angeboten werden.
Weiter nutzt Fresenius die Digitalisierung immer stärker für das Bereitstellen von Informationen für Kunden oder Patientinnen und Patienten, z. B. durch webbasierte Informations- und Unterstützungsprogramme, Trainings oder auch Hinweisgebersysteme.
Für die digitale Transformation setzt Fresenius neben der Entwicklung interner Standards auch auf Analysen, um innerhalb der Branche neue Ansätze zu erarbeiten. Dabei wird der Wettbewerb beobachtet. Außerdem nutzt Fresenius das Feedback von Stakeholder-Gruppen, z. B. Kunden, um Prozesse zu verbessern.
Konzernweite Governance und Verantwortlichkeiten
Im Vorstand ist der Vorstandsvorsitzende für die Konzernstrategie und damit auch für die übergreifende Digitalisierungsstrategie verantwortlich. Die globale Koordination sowie die strategischen Ansätze im Bereich Digitalisierung werden von der Konzernfunktion Corporate Development gesteuert. Expertinnen und Experten in den dazugehörigen Fachfunktionen Group Digital und Medical Office bewerten neue Technologien, priorisieren und verfolgen Konzerninvestitionen in ausgewählte zukünftige Wachstumsfelder von Fresenius und beurteilen mit den Operating Companies die Effektivität der eingesetzten Maßnahmen. Die operative Umsetzung erfolgt innerhalb der Operating Companies bzw. in deren Geschäften. Sie wird von den jeweiligen Managementfunktionen verantwortet und ist in den lokalen Organisationen verankert. Geregelt wird z. B. die Zuständigkeit für Digitalisierung über einen Geschäftsverteilungsplan. Die Konzernfunktion Corporate Development verantwortet den strategischen Rahmen, in dem die Digitalisierungsstrategie global umgesetzt wird. Der Group Head Digital als Vertreter der Konzernfunktion berichtet regelmäßig an den Vorstandsvorsitzenden und steht im Rahmen verschiedener interner Gremien im Austausch mit dem Vorstand. Die Verantwortlichen der Konzernfunktion Corporate Development und die Fachverantwortlichen der Operating Companies tauschen sich bedarfsweise und anlassbezogen aus. Für seine Sitzungen werden dem Vorstand monatlich die relevanten Entwicklungen aus den Operating Companies aufbereitet oder Beschlussvorlagen zugetragen.
Die Chief Financial Officer (CFO) ist zuständig für den Bereich Fresenius Digital Technology und die Konzernfunktion Cybersecurity. Sie leitet die IT-Transformation des Konzerns.
Konzernweit werden spezielle IT-Arbeitsgruppen eingesetzt, die sich aus Führungskräften der Operating Companies und der Konzerngesellschaft Fresenius Digital Technology zusammensetzen. Sie arbeiten an Themen, die direkt zu den Unternehmenszielen beitragen. Damit entwickeln sie gemeinsam die globale IT-Transformation für Fresenius.
Ausführungen zu Verantwortlichkeiten und Vorgaben im Vorstand sowie im Aufsichtsrat sind jeweils im Standard ESRS 2, Abschnitt GOV-1 Nachhaltigkeitsorganisation erläutert.
Die Arbeitskräfte von Fresenius sind durch die Anwendung digitaler Prozesse im Rahmen ihrer Beschäftigung direkt an der Umsetzung der Konzepte zur digitalen Transformation beteiligt. Daher werden sie regelmäßig z. B. im Rahmen von Quartals- und Jahrespräsentationen sowie ‑berichten über die Ansätze und Fortschritte informiert.
KI-Governance-Richtlinie
KI verändert in rasantem Tempo die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten. Sie spielt eine transformative Rolle dabei, wie Fresenius Gesundheitslösungen entwickelt und bereitstellt. Daher wird KI auch in der aktuellen Rejuvenate-Phase von #FutureFresenius maßgeblich sein, insbesondere bei der Stärkung der Kerngeschäfte und der weiteren Digitalisierung der Krankenhäuser bzw. der Care Provision Plattform. KI-gestützte Produkte gehören zu den treibenden Kräften des zukünftigen Gesundheitswesens und sind ein wichtiger Bestandteil der Strategie von Fresenius.
Die Einhaltung der Pflichten, die für Hersteller und Nutzer von KI-Anwendungen und / oder KI-Modellen aus der EU-KI-Verordnung resultieren, erfordert die Einführung eines Governance-Rahmens, der eine Risikoprüfung und einen konstanten Überblick über alle eingesetzten KI-Anwendungen sicherstellt. Auf Konzernebene bestand daher im Berichtsjahr 2025 ein Projekt zur Umsetzung der EU-Verordnung über KI. Das Projekt wurde vom Rechtsbereich geleitet und wesentlich von den Konzernfunktionen Corporate Development, Cybersecurity sowie Risk & Integrity und aus Vertreterinnen und Vertretern der Operating Companies unterstützt. Die Verantwortung für den Prozess liegt nun im Corporate Development. Die Beteiligten waren dafür verantwortlich, einen konzernweiten Rahmen für den Einsatz von KI zu schaffen und entsprechende Richtlinien zu erarbeiten. Auch in den Operating Companies wird das Thema schriftlich kommuniziert.
Ziel der im Jahr 2025 neu geschaffenen KI-Governance-Richtlinie ist es, einen Governance-Rahmen zu schaffen, der die Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse für einen rechtskonformen, sicheren und ethischen Einsatz von KI innerhalb des Fresenius-Konzerns festlegt. Das Rahmenwerk zielt darauf ab, die organisatorische Angleichung zu gewährleisten, indem es einheitliche Standards bei Fresenius etabliert, Innovationen fördert und gleichzeitig Transparenz und Koordination auf Konzernebene über alle KI-Anwendungsfälle schafft, die in den Operating Companies entwickelt oder umgesetzt werden. Die darin geregelten Prozesse sollen dabei unterstützen, KI-Anwendungen in Übereinstimmung mit den jeweiligen rechtlichen Verpflichtungen zu nutzen sowie die ethischen Ansprüche und Werte von Fresenius zu berücksichtigen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Prozesse ist eine standardisierte Risikobewertung, die die Grundlage für die Entscheidung über die Beschaffung oder Entwicklung neuer KI-Anwendungen bildet. Ein vollständiges KI-Inventar bietet eine umfassende Auflistung aller KI-Anwendungen, die derzeit bei Fresenius im Einsatz sind, und hilft dabei, Compliance sicherzustellen, mögliche Synergien innerhalb der Gruppe zu heben und den Überblick über die gesamte KI-Nutzung zu behalten.
Die Richtlinie wurde vom Konzernvorstand unterzeichnet und ist seit dem 1. April 2025 verpflichtend im Konzern anzuwenden. Die Implementierung wird begleitet durch interne Kommunikationsmaßnahmen sowie verpflichtende Mitarbeiterschulungen.
Digitale Prozesse und Anwendungen
Als Teil der Digitalisierungsstrategie konzipiert und entwickelt Fresenius digitale Lösungen, um interne Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und zu vereinfachen.
Entsprechend setzt der Konzern in Geschäftsbereichen wie Compliance, Lieferkette, Einkauf, Produktion und Distribution zunehmend auf intelligente Automatisierung und KI, um Geschäftsprozesse in Verwaltungsfunktionen etwa mittels Chatbots, digitaler Dokumentenverarbeitung oder Empfehlungs- und Prognoseanwendungen zu verbessern. Fresenius hat bereits verschiedene Lösungen implementiert und arbeitet weiter daran, die identifizierten Einsparpotenziale sukzessive zu realisieren.
Die Digitalisierung der Produktionsstätten von Fresenius Kabi ist ein fortlaufender Prozess, der durch den voranschreitenden technologischen Fortschritt und die kontinuierliche Innovation im Produktionssektor vorangetrieben wird. Die aktuelle Strategie sieht die Einführung digitaler Tools und Plattformen an allen globalen Produktionsstandorten bis 2032 vor, entsprechende Maßnahmen werden im Abschnitt Maßnahmen, Digitale Geschäftsprozesse, in diesem Standard beschrieben. Angesichts der Dynamik der technologischen Entwicklung verfolgt Fresenius Kabi einen flexiblen, schrittweisen Ansatz, um sicherzustellen, dass die Lösungen auf dem neuesten Stand bleiben und kontinuierlich weiterentwickelt werden können, sobald neue Innovationen entstehen. Fresenius Kabi verfügt bereits über ein Portfolio fortschrittlicher Anwendungen und Datenplattformen. Jedoch wird sich der Umfang der digitalen Transformation im Unternehmen weiterentwickeln, um neue Technologien zu integrieren, sobald sie verfügbar sind.
Digitale Patientenbetreuung und Versorgungsstrukturen
Die Erfahrungen aus dem Klinikalltag weisen auf eine steigende Nachfrage nach neuen digitalen Dienstleistungen hin: Patientinnen und Patienten wünschen sich zunehmend die Möglichkeit, digitale Gesundheitsinformationen und ‑services auf Abruf zu erhalten. Die Patientenerfahrung zu verbessern ist eines von vier konkreten Auswirkungen von Digitalisierung im Krankenhaus. Daneben stehen die Behandlungsqualität, die Mitarbeiterzufriedenheit sowie Effizienzgewinne.
Neben dem übergreifenden Ausbau der IT-Infrastruktur konzentriert sich Fresenius auf die folgenden Aspekte der Digitalisierungsstrategie im Krankenhaus:
Krankenhausinformationssystem standardisieren, um Prozesse zu verschlanken, zu verbessern und um Skalierbarkeit sicherzustellen
Schaffung von KI-unterstützten Plattformen und Kompetenzzentren, um z. B. bei der Bewertung in bildgebenden Verfahren, bei der digitalen Pathologie und in der Notaufnahme bessere Untersuchungsergebnisse zu erzielen
Prüfung des Ausbaus der Robotik-gestützten Behandlungsansätze
Automatisierung der Arztbriefe und Patientengesprächsdokumentation sowie in Deutschland digitale Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen
Durchgehend digitales Medikationsmanagement (Closed-Loop-Medication-Management) in Deutschland
Definition von Qualitäts- und Produktivitätszielen durch Datenstandardisierung
Einführung digitaler Services für Patientinnen und Patienten wie des Online-Patientenportals oder der ePA (elektronische Patientenakte) sowie zentrale Informations- und Serviceportale für Beschäftigte und Zuweiser
Konkrete Projekte in den Krankenhäusern in Deutschland und Spanien sollen die Qualität der Behandlung unterstützen, die Versorgung sowie die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern, neue Geschäftsfelder erschließen sowie die Einhaltung regulatorischer Vorgaben sicherstellen.
Für eine digitale Patientenbetreuung, die sog. Digital Patient Journey bzw. das ganzheitliche Patientenerlebnis, arbeitet Fresenius Helios etwa mit Videokonferenzen, bei denen die zu Behandelnden ihre Krankengeschichte darlegen können, aber auch mit Protokollen sowie automatisierten Tests für bestimmte Diagnosen. Dies erfordert die Digitalisierung einer Vielzahl von Prozessen, die voneinander abhängig sind, sowie digitale Anwendungen wie die Patientenportale von Fresenius Helios.
Integrierte Softwarelösungen geben schon heute in nahezu allen deutschen und spanischen Helios-Kliniken Warnhinweise bei möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und können so die Patientensicherheit zusätzlich erhöhen. Auch der durch den Gesetzgeber angeordnete Ausbau der deutschlandweiten Telematikinfrastruktur, in die die ePA perspektivisch eingebunden wird, kann dazu beitragen, die Qualität der Versorgung zu verbessern.
Über die digitalen Patientenportale können die Patientinnen und Patienten rund um die Uhr und von zu Hause aus auf Behandlungsdokumente wie Befunde zugreifen, Termine online buchen oder Videosprechstunden wahrnehmen. Die Kliniken profitieren von einer zentralen Datenablage und von einer verbesserten Datenübermittlung und ‑abstimmung des medizinischen Personals.
In den spanischen Krankenhäusern ist das Krankenhausinformationssystem Casiopea das Kernelement der Digitalisierungsstrategie und wurde 2025 u. a. um die KI-basierte Anwendung Scribe erweitert. Scribe ist ein digitaler Assistent zur Unterstützung der Dokumentation im Gespräch zwischen ärztlichem Fachpersonal und zu behandelnder Person. Die Anwendung analysiert Gespräche in Echtzeit, extrahiert relevante Informationen und erstellt automatisch strukturierte Berichte. Außerdem leitet Scribe Ärztinnen und Ärzte an, alle relevanten Themen während des Besuchs abzudecken. Unwichtige Inhalte werden herausgefiltert und wichtige klinische Daten wie Symptome und vom Arzt ausgesprochene Empfehlungen direkt in die das Krankenhausinformationssystem integriert. Der behandelnde Arzt prüft den Bericht und gibt ihn frei. So kann die Anwendung Ärztinnen und Ärzte von Verwaltungsaufgaben entlasten und die Qualität der Versorgung verbessern. Scribe unterstützt mittlerweile mehr als 40 ambulante Fachbereiche in allen spanischen Kliniken.
Im Sinne eines kontinuierlichen Wissenstransfers werden Erkenntnisse aus den umgesetzten Aktivitäten dahingehend geprüft, inwieweit diese auch an weiteren Krankenhausstandorten von Fresenius Helios einsetzbar sind und zur Verbesserung der Prozessqualität beitragen können.
Datenanalysen für Produkt- und Serviceoptimierung
Fresenius nutzt zunehmend Erkenntnisse aus umfassenden Analysen der im Konzern generierten Daten. Ziel ist es, die betrieblichen Abläufe durch kohärente und effiziente digitale Kompetenzen zu verbessern und zu verschlanken. Die Strategie sieht weiter vor, durch die Einführung innovativer digitaler Produkte und Dienstleistungen neue Angebote zu schaffen.
Fresenius konzentriert sich darauf, Daten aus der Interaktion mit Geschäftspartnern, ärztlichem Fachpersonal, aber auch Patientinnen und Patienten zu nutzen, um deren Erfahrung mit dem Service nachzuvollziehen und diesen dadurch zu verbessern. Die Daten helfen bei einer effektiveren Kundenkommunikation über sowohl digitale als auch analoge Kanäle. Gleichzeitig tragen sie damit zur Unterstützung im Umgang mit den Produkten von Fresenius und somit zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten bei.
Fresenius Kabi nutzt im Rahmen des Homecare-Business Feedbackprozesse, um Unregelmäßigkeiten in der Versorgung von Patientinnen und Patienten zu identifizieren. Hierfür wird bei der jährlichen Qualitätsberichterstattung stichprobenhaft für fest angestellte Versorger und für freie Mitarbeitende die Therapiedokumentation und Verlaufskontrolle von Patientinnen und Patienten geprüft.
Bei Fresenius Helios spielt die direkte Interaktion mit Patientinnen und Patienten oder auch deren Angehörigen während des Krankenhausaufenthalts eine wichtige Rolle. Auch die Ergebnisse von Patientenumfragen sind eine wichtige Quelle für datengetriebenen Prozesse im Konzern.
Weitere Informationen finden Sie im Themenstandard S4 Verbraucher und Endnutzer, Abschnitt Gesundheit und Sicherheit.
Helios Safe Medical Data Plattform
Die Plattform Helios Safe Medical Data (HeSaMeDa) soll die Versorgungsforschung und die Entwicklung neuer und verbesserter Behandlungsmethoden sowie die Patientenrekrutierung für klinische Studien fördern. Sie aggregiert medizinische Daten aus den Helios-Kliniken in Deutschland basierend auf der Einwilligung der Patientinnen und Patienten zur Nutzung ihrer Daten für die Versorgungsforschung.
Das zugrundeliegende Konzept erlaubt es, Patientendaten, Krankenkassendaten und Biomaterialien sowie diagnostische und therapeutische Informationen pseudonymisiert und, wenn sinnvoll, für mehrere Forschungszwecke zu nutzen. Dies dient der langfristigen Betrachtung von Behandlungsverläufen und erfüllt durch die Pseudonymisierung und die interne Verarbeitung der Daten außerdem die vorherrschenden Sicherheitsstandards. Diese hohen IT-Standards, eine solide datenschutzrechtliche Grundlage und die Erfahrung im Umgang mit Gesundheitsdaten bilden zusammen mit dem Vertrauen von Patientinnen und Patienten eine robuste Basis, um Forschung und Innovation bei Fresenius Helios und darüber hinaus weiter voranzureiben.
Zukünftig sollen Medizinische Versorgungszentren von Fresenius Helios und niedergelassene Arztpraxen an die Plattform angebunden werden, um die Lücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung zu schließen und so die Behandlungspfade von Patientinnen und Patienten ganzheitlicher und tiefergehender zu verstehen und zu analysieren. Im nächsten Schritt strebt Fresenius Helios außerdem an, eine KI-basierte Chat-Lösung zu implementieren, die es dem medizinischen Fachpersonal ermöglicht, Fragen zu den Daten zu stellen und interaktiv mit der KI an Lösungen zu arbeiten.
Maßnahmen [MDR-A] Maßnahmen und Mittel in Bezug auf wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte
Die Hauptaktivitäten aus der Konzernfunktion Corporate Development, Group Digital, konzentrierten sich auf den fortlaufenden Strategieprozess. Die Operating Companies definieren Aktivitäten, um das operative Geschäft so zu optimieren, dass kurz-, mittel- und langfristig Auswirkungen effektiv gesteuert und Chancen genutzt werden können. Auch die Datenanalyse, inklusive der HeSaMeDa-Plattform von Fresenius Helios, zahlt darauf ein. Bei Fresenius Kabi und Fresenius Helios in Deutschland sind Maßnahmen in Umsetzung bzw. geplant. Sie werden nachfolgend erläutert.
Digitale Geschäftsprozesse
Die für Nachhaltigkeitsaspekte relevante Digitalisierung von Geschäftsprozessen konzentriert sich bei Fresenius Kabi auf Produktionsstätten und Qualitätsorganisationen. Je nachdem, welche Prozessschritte betroffen sind, können sich die Maßnahmen auch auf die vor- oder nachgelagerte Wertschöpfungskette auswirken. Fresenius Kabi integriert digitale Lösungen in Produktionsabläufe, um Materialeinsatz und Energieverbrauch zu reduzieren und gleichzeitig eine höhere Produktionsqualität zu gewährleisten. Damit möchte Fresenius Kabi mehr zukunftsfähige Praktiken im globalen Fertigungsnetzwerk fördern. Diese Maßnahmen werden als Advanced Manufacturing Operations (AMO) – Digital Operations zusammengefasst. Eine wichtige Initiative in diesem Rahmen ist die Implementierung einer umfassenden Datenplattform. Diese Plattform aggregiert fertigungs- und qualitätsspezifische Daten von Standorten weltweit und ermöglicht so Echtzeitanalysen und Entscheidungsfindungen. Durch die Nutzung dieser Daten arbeitet Fresenius daran, Probleme frühzeitig und proaktiv im Produktionszyklus zu erkennen, die Ausschussquote erheblich zu reduzieren und eine effizientere Materialnutzung sicherzustellen.
Die Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen des Projekts Digital Operations wird sich über die kommenden Jahre erstrecken. Der Projektplan sieht bis 2032 zahlreiche Aktivitäten vor, die die Digitalisierung von Produktionsprozessen vorantreiben sowie die Erhebung, Analyse und Nutzung von Daten einschließlich verbesserter Prognosemöglichkeiten unterstützen. Sofern alle Aktivitäten realisiert werden, sind dafür substanzielle Investitionen vorgesehen, deren Umfang aufgrund des Planungsstands erst im Verlauf des Jahres 2026 spezifiziert werden kann. Die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 2024 soll dadurch abgelöst werden.
Die beschriebenen Maßnahmen werden im laufenden Geschäftsprozess umgesetzt, weshalb Fortschritte nicht auf Jahresbasis bemessen werden. Es gilt, jederzeit sicherzustellen, dass die Implementierung von Digitalisierungsprojekten nicht die Lieferfähigkeit oder die Produktion von Arzneimitteln verzögert.
Digitale Versorgungsstrukturen
Durch die gesetzliche Initiative Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wurden Fresenius Helios in Deutschland Fördermittel zur Verfügung gestellt; 2025 wurden rund 77 Mio € abgerufen. Diese finanziellen Fördermittel sollen gezielte Investitionen in den Bereichen Digitalisierung und Infrastruktur ermöglichen und sind auch für mehrjährige Projekte vorgesehen. In diesem Rahmen hat Fresenius Helios Ausschreibungen für verschiedene Projekte aufgesetzt, z. B. für die Nutzung von KI in der Bildgebung, für die Einführung digitaler Pathologie und die testweise Nutzung eines Tools für klinische Entscheidungshilfe. Die Fördermittel stellen eine Chance dar, um die Patientenversorgung weiter zu optimieren, den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden zu erleichtern und die Position von Fresenius am Markt zu stärken.
Ziele und Ambitionen [MDR-T] Nachverfolgung der Wirksamkeit von Konzepten und Maßnahmen durch Zielvorgaben
Fresenius hat sich zum Ziel gesetzt, kritische Prozesse gezielt durch den Einsatz digitaler Anwendungen zu optimieren und zu beschleunigen. Darüber hinaus strebt der Konzern eine Wertsteigerung und höhere Effizienz in der täglichen Handhabung der Produkte und Dienstleistungen an. Deshalb haben alle Operating Companies spezifische Digitalisierungsambitionen für ihre Märkte definiert oder erarbeiten entsprechende Pläne. Die Ziele leiten sich aus den Anforderungen der Märkte ab sowie aus Erkenntnissen in der Kommunikation mit wesentlichen Stakeholder-Gruppen, z. B. Geschäftspartnern, Kunden oder Patientinnen und Patienten.
Digitalisierungsziele von Fresenius Kabi
Fresenius Kabi will seine Kunden mit den bestmöglichen Produkten und dazugehörigen Dienstleistungen versorgen und so die Qualität der medizinischen Versorgung weiter erhöhen. Dank datengestützter Erkenntnisse und digitalisierter Prozesse kann Fresenius Kabi die Produktion, den Verkauf und die Logistik vorantreiben und damit auch die Patientenversorgung weiterentwickeln. Dabei ist es zentral, dass sich die Digitalisierung als ein kontinuierlicher Prozess an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert.
Digitalisierungsziele von Fresenius Helios
Die zunehmende Digitalisierung bei Fresenius Helios kann Prozesse verschlanken und Behandlungsabläufe in den Krankenhäusern verbessern. Damit möchte Fresenius Helios die Zufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Patientinnen und Patienten erhöhen und gleichzeitig Kosten senken. Die Ziele und Ambitionen dienen nicht nur dazu, die Digitalisierung im Konzern voranzutreiben. Sie helfen auch dabei, die Ziele anderer relevanter Themen zu erreichen, wie im Bereich Patientenzufriedenheit und auf dem Gebiet der Behandlungsergebnisse.
Fresenius Helios in Deutschland hat sich im Jahr 2023 drei Digitalisierungsziele gesetzt, die bis 2026 erreicht werden sollen. Das Bezugsjahr ist 2023, wobei der Bezugswert nicht numerisch festgelegt wurde; der Zielwert bezieht sich auf eine vollumfängliche Erfüllung des jeweiligen Ziels.
Das erste Jahr der Umsetzung war 2024.
Digitale Dokumente und Services für Patientinnen und Patienten:
Für dieses Digitalisierungsziel sollten alle Dokumente und Services für Patientinnen und Patienten von Fresenius Helios in Deutschland bis 2024 digital angeboten werden. Alle im Patientenportal registrierten Patientinnen und Patienten sollen ihre Dokumente entsprechend per Download erhalten und Termine je Einrichtung online buchen können. Dieses Ziel wurde 2024 insofern erreicht, als die Funktionen technisch zur Verfügung stehen. Die Nutzung, d. h. der Anteil registrierter Nutzerinnen und Nutzer im Vergleich zur gesamten Patientenanzahl, lag noch hinter den Vorstellungen zurück. Deshalb arbeitete Fresenius Helios an zusätzlichen Maßnahmen im Jahr 2025. Mit den Anforderungen von Fresenius Helios und dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) sowie Erfahrungen der spanischen Krankenhaustochter Quirónsalud wurde ein Produktkonzept erstellt, um die Nutzung zu steigern und die Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in die Behandlung zu verbessern. Für das Jahr 2026 ist als Maßnahme die Pilotierung erster Weiterentwicklungen des Patientenportals geplant. Die Operating Company strebt eine aktive Nutzungsquote der digitalen Services von 50 % an. Im Berichtsjahr lag die aktive Nutzungsquote der digitalen Services bei 5,9 % (2024: 5,3 %). Für die Messung des Ziels werden drei Kenngrößen betrachtet: der Anteil der am Patientenportal angeschlossenen Kliniken, der Anteil der am Dokumenten-Upload und ‑Download angeschlossenen Kliniken sowie der Anteil der an die Terminbuchung angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) im jeweils aktuellen Jahr.Digitale Dokumente und Services für Beschäftigte:
Das zweite Ziel des Dreijahresplans bezieht sich auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beschäftigte von Fresenius Helios in Deutschland sollen bis Ende 2025 alle relevanten Dokumente und Services rund um Personal-, Abrechnungs- und Lohndaten ausschließlich digital erhalten. Zur Bewertung der Zielerreichung werden der Grad der Freischaltung der Mitarbeiterzugänge zum digitalen Personal- und Dienstplanungssystem sowie der Anteil der in die Systeme eingebundenen Prozesse und Dokumente herangezogen. Seit Anfang 2024 stellt Fresenius Beschäftigten bereits alle entgeltrelevanten Dokumente digital zur Verfügung. Im Jahr 2025 wurde dieses Ziel erreicht, da nun auch die Zeiterfassung, z. B. Urlaub- oder Dienstplanung digital abgebildet wird.Digitale Assistenz bei wesentlichen medizinischen Entscheidungen:
Drittens hat sich Fresenius Helios in Deutschland zum Ziel gesetzt, bis Ende 2026 wesentliche medizinische Entscheidungen, die eine medizinische Behandlung zur Folge haben, mit digitaler Assistenz zu treffen. Für die Messung evaluiert Fresenius Helios den Prozentsatz der Verfügbarkeit von digitaler Assistenz in den wesentlichen medizinischen Fachbereichen. Diese wird insbesondere auf Basis des Patientenaufkommens definiert: digitale Radiologie, digitale Pathologie, allgemeine Risikoprädiktion, allgemeine digitale Prozessunterstützung und Notaufnahme. Im Jahr 2025 wurde je Fachgruppe überprüft, ob noch weitere medizinische Entscheidungen aufgenommen werden sollten. Eine Vielzahl von Pilotprojekten wie KI-gestützten Darmkrebsvorsorgen laufen bereits in den Kliniken.
Über die Ziele des Dreijahresplans hinaus verfolgt Fresenius Helios in Deutschland die folgenden mittelfristigen Ambitionen: Bis 2030 soll die Ausweitung des Patientenportals und bis 2035 die Auswahl und Ablösung der Krankenhausinformationssysteme erfolgen.
Fresenius Helios in Spanien hat das Ziel, in mindestens 80 % der spanischen Krankenhäuser das digitale Care-Management-System und das Patientenportal Casiopea zu implementieren, 2024 erreicht. Die Weiterentwicklung von Casiopea durch weitere digitale Applikationen wird im Abschnitt Digitale Patientenbetreuung und Versorgungsstrukturen in diesem Standard beschrieben.
Kennzahlen [MDR-M] Kennzahlen in Bezug auf wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte
Nutzungsquote des digitalen Care-Management-Systems und Patientenportals Casiopea
Fresenius Helios in Spanien erhebt quartalsweise die Nutzungsquote der angebotenen digitalen Services auf Basis der behandelten Patientinnen und Patienten sowie der Anzahl der aktiven Nutzer. Aktive Nutzer sind definiert als Personen, die mindestens eine Aktion innerhalb des Portals durchgeführt haben. Hierzu wird in den spanischen Einrichtungen erfasst, wie oft die digitalen Services von Patientinnen und Patienten im Verhältnis zur Gesamtzahl der behandelten Personen genutzt wurden. Im Berichtsjahr lag die digitale Nutzungsquote bei 75,4 % (2024: 70,0 %), womit der Vorjahreswert übertroffen wurde.